"Ride for a Change" für eine faire Produktion von Snow-, Skate- und Surf Bekleidung

Wien, 24.11.2011. Zum Start der Wintersaison und wenn das Weihnachtsgeschäft beginnt, steigt der Umsatz von Markenfirmen, die sogenannte Boarderwear produzieren. Unternehmen wie Billabong, Ripcurl oder Nitro produzieren Funktionskleidung für Boardersportarten ebenso wie urbane Freizeit-Kleidung. Die Marken werben mit coolem Lifestyle und Freizeitvergnügen. Doch der Spaß endet bei den strukturell schlechten Arbeitsbedingungen in Produktionsländern wie China, Indien oder Vietnam, wo die Menschen oft unter gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen für Hungerlöhne bis zu 16 Stunden am Tag arbeiten, wie die Clean Clothes Kampagne (CCK) heute bei einem Pressegespräch in Wien berichtete.

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbetrieben

May Wong, eine Arbeitsrechtexpertin von der Nichtregierungsorganisation Globalization Monitor mit Sitz in Hong Kong untersucht seit Jahren die Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbetrieben, die für europäische und US-amerikanische Unternehmen produzieren. „Die Menschen, die einen Großteil der Bekleidung nähen, die hier in den Geschäften landet, werden ausgebeutet. Sie arbeiten 14-16 Stunden am Tag, denn nur so können sie genug verdienen, um irgendwie über die Runden zu kommen. In vielen Fabriken ist die Arbeit gesundheitsgefährdend, es gibt keinen Versicherungsschutz und oft nicht einmal einen Arbeitsvertrag, auf den sich die Menschen berufen können, wenn sie ungerecht behandelt werden“, kritisiert Wong.
Während sich die Outdoor-Bekleidungsbranche, zu der Unternehmen wie Jack Wolfskin, Mammut und Vaude gehören, mittlerweile ernsthaft mit den Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbetrieben auseinandersetzt, hat die Snow- Skate-, und Surf-Bekleidungs-Branche bisher scheinbar nur wenig unternommen, um die Arbeitsrechte der NäherInnen in den Zulieferbetrieben zu wahren.

Boarderunternehmen auf dem Prüfstand

Im Rahmen einer mehrmonatigen Recherche nahm die CCK zehn namhafte international agierende Firmen hinsichtlich ihrer sozialen Verantwortung unter die Lupe. Auf Fragebögen hat kein einziges Unternehmen reagiert. Die CCK evaluierte daher die Unternehmensverantwortung anhand öffentlich abrufbarer Informationen und erstellte daraus Firmenprofile, welche unter www.cleanclothes.at/firmen-check abrufbar sind. Alexander Pfeffer, CCK-Projektleiter, fasst die Ergebnisse zusammen: „Die Intransparenz der untersuchten Firmen zeigt, dass das Thema soziale Unternehmensverantwortung noch überhaupt nicht in der Branche angekommen ist“. Keines der zehn untersuchten Unternehmen veröffentlicht einen Sozialbericht, verpflichtet sich zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns oder legt seine Produktionsstandorte offen. Sechs von zehn Unternehmen, nämlich Burton, Carhartt, Etnies, Nikita, Nitro und Rip Curl haben keinen Verhaltenskodex. Die Kodizes der anderen Firmen sind unzureichend und sind entweder nicht für die gesamte Zulieferkette bindend oder geben keinen Aufschluss darüber, wie die Einhaltung kontrolliert wird.

„Ride for a Change“ in ganz Österreich

Die Clean Clothes Kampagne fordert deshalb im Rahmen der Aktion „Ride for a Change“ die gesamte Boarderbranche auf, diese Missstände zu beheben und Verantwortung für ihre Zulieferketten zu übernehmen. Um KonsumentInnen zu informieren und Druck auf die Unternehmen auszuüben, organisieren CCK-AktivistInnen in dieser Woche Straßenaktionen in Innsbruck, Wien, Linz und Graz. Außerdem gibt es unter www.cleanclothes.at die Möglichkeit eine Petition zu unterschreiben und ein Facebookspiel, bei dem die SpielerInnen ein Statement für faire Arbeitsbedingungen abgeben können. Die gesammelten Unterschriften werden im Frühjahr an die zehn befragten Unternehmen übergeben. „Wir hoffen sehr, dass die Branche in Bewegung kommt und in Zukunft nicht nur für „Coolness“ und Lifestyle, sondern auch für faire Arbeitsbedingungen steht“, schließt Pfeffer.

Hintergrundinformationen zum Downloaden:

„Ride for a Change“ - Firmenprofile
Informationen zu May Wong
Informationen zu den morgigen Straßenaktionen in Linz und Graz
Link zum Facebookspiel „Ride for a Change“: http://apps.facebook.com/rideforachange/

Rückfragehinweise

Alexander Pfeffer
Clean Clothes Kampagne
Tel.: 0316 22 51 77 - 12
Mail: alexander.pfeffer@suedwind.at

Heike Hochhauser
Clean Clothes Kampagne
Tel.: 01 405 55 15 - 330
Mail: heike.hochhauser@cleanclothes.at

Die Clean Clothes Kampagne (CCK) setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion ein. Die CCK ist Teil der Clean Clothes Campaign (CCC), einer Koalition von Kampagnen in vierzehn europäischen Ländern mit einem Netzwerk von über 250 Partnerorganisationen weltweit und wird in Österreich von Südwind koordiniert und von zahlreichen gewerkschaftlichen, kirchlichen, frauen- und entwicklungspolitischen Organisationen getragen. Das CCK- Projekt „Discover Fairness! Aktiv für Menschenrechte.“ wird von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert. Die vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Clean Clothes Kampagne wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Fördergeber dar.

Nov. 22, 2011, 13:20:49 Heike Hochhauser
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