Clean Clothes-Straßenaktion vor Hugo Boss Filiale in Salzburg

Salzburg, 12.03.2015 - Unter dem Motto „Ein echter BOSS zahlt Existenzlöhne! Hugo Boss ‚Erfolgskurs’ – Weg in die Armut für Beschäftigte“ forderten AktivistInnen der Clean Clothes Kampagne heute Vormittag vor der Filiale am Rudolfskai die Zahlung von existenzsichernden Löhnen für NäherInnen in den Produktionsstätten von Hugo Boss.

Anlässlich der Hugo Boss Analystenkonferenz am 12.03.2015 in Metzigen, Deutschland, an der das Unternehmen die Jahresergebnisse präsentiert, fordert die Clean Clothes Kampagne (CCK) Existenzlöhne für die NäherInnen und macht heute europaweit auf Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten von Hugo Boss aufmerksam.

Hugo Boss hat innerhalb von fünf Jahren den Gewinn verdreifacht und das Ergebnis vor Steuern auf 437 Mio. Euro 2014 steigern können. Doch von diesem Profit sehen die ArbeiterInnen bisher nichts – im Gegenteil. „Anstatt sie am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen halten die geringen Löhne die Näherinnen und Näher in der Armutsspirale gefangen“, kritisiert Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne Österreich. Zusätzlich zum viel zu geringen Lohn berichten Hugo Boss-NäherInnen von Gewerkschaftseinschüchterungen, Verstößen gegen Überstundenregelungen und sexueller Belästigung. „Ich respektiere das Unternehmen, ich respektiere meine Arbeit, warum respektieren sie mich nicht? Hugo Boss verhält sich bisher nicht verantwortungsvoll“, so ein türkischer Hugo Boss Arbeiter.

Rund die Hälfte der gesamten Hugo Boss Produkte werden in osteuropäischen und türkischen Fabriken hergestellt. Der CCK-Bericht "Im Stich gelassen" (2014) zeigt, dass in der gesamten Region die Differenz zwischen dem ausbezahlten Lohn und einem Existenzlohn extrem groß ist. Auch bei Hugo Boss Lieferanten wurde diese Rechercheanalyse bestätigt. Die meisten ArbeiterInnen verdienen Löhne unter der nationalen Armutsgrenze. Für den Bericht wurden TextilarbeiterInnen bei einem Hugo Boss Lieferanten in der Türkei interviewt. Sie verdienten zum Zeitpunkt der Recherche durchschnittlich 326 Euro pro Monat – Überstunden und Zuschläge inbegriffen. Die nationale Armutsgrenze lag zu diesem Zeitpunkt bei 401 Euro pro Monat, ein minimaler Existenzlohn bei 890 Euro pro Monat.

Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign Deutschland betont: „‚Made in Europe‘ sollte dafür stehen, dass Arbeiterinnen und Arbeiter der Armut entkommen können und keine Angst haben müssen, einer Gewerkschaft beizutreten. Doch das Gegenteil ist der Fall“, und sie fordert weiter: „Vom ‚Erfolgskurs‘ von Hugo Boss sollen auch die Arbeiterinnen und Arbeiter profitieren, immerhin ist existenzsichernder Lohn ein Menschenrecht, das den Näherinnen und Nähern von Hugo Boss-Bekleidung verwehrt wird.“

Hintergrundinformationen:


Rückfragehinweis:
Anita Rötzer
Clean Clothes Kampagne Österreich
Tel: 0662 827813 1
E-Mail: anita.roetzer@suedwind.at
www.cleanclothes.at

März 11, 2015, 14:08:17 Heike Hochhauser
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