Proteste von TextilarbeiterInnen in Kambodscha gewaltsam niedergeschlagen

10.01.2014 - Polizei und Militär eröffneten am Freitag, dem 3. Jänner 2014 das Feuer auf demonstrierende ArbeiterInnen in der Hauptstadt Phnom Penh. Schon in den Tagen zuvor gingen hunderttausende ArbeiterInnen für gerechte Löhne in der Bekleidungsindustrie auf die Straße und brachten damit die Industrie zum Stillstand.

Bei den Protesten wurden mindestens vier Menschen getötet, fast 40 Menschen verletzt und zahlreiche DemonstrantInnen festgenommen. Unter ihnen befanden sich auch führende GewerkschaftsvertreterInnen, die nach wie vor festgehalten werden.

Kambodschas Bekleidungsindustrie beschäftigt über 500.000 ArbeiterInnen und erwirtschaftet ungefähr 95% der Exporterlöse des Landes. Trotz Erhöhungen des Mindestlohnes in den letzten Jahren, können sich die ArbeiterInnen auf Grund der Inflation weniger für ihr Geld leisten wie beispielsweise vor fünf Jahren. Die kambodschanische Regierung kündigte für 2014 einem Mindestlohn von 100 US Dollar an, Gewerkschaften und Opposition fordern aber mindestens 160 US Dollar. Nach Berechnungen der Asia Floor Wage Alliance wäre jeoch ein existenzsichernder Lohn für Kambodscha 286 Euro (Mehr zum Thema Existenzlohn hier)

Eine 2013 von der britischen Clean Clothes Kampagne durchgeführte Studie zeigt, dass es den ArbeiterInnen aufgrund des geringen Lohns nicht möglich ist, sich und ihre Familien ordentlich zu ernähren und ein Drittel stark unterernährt ist.

Kambodschas Bekleidungs- und Schuhfabriken sind außerdem bekannt für Massenohnmachtsanfälle. Alleine im Vorjahr gab es über 2.000 Betroffene. Dies liegt einerseits an der Mangelernährung der ArbeiterInnen und der damit verbundenen körperlichen Schwäche, andererseits an schlechter Belüftung in den Produktionsräumen, austretenden chemischen Dämpfen sowie den langen Arbeitszeiten.

Die Clean Clothes Kampagne kontaktierte diplomatische Vertretungen und die in Kambodscha produzierenden Konzerne. Die Forderungen an die kambodschanische Regierung lauten:

  • Sofortiges Ende der Gewalt und der Einschüchterung gegenüber ArbeiterInnen

  • Freilassung der inhaftierten DemonstrantInnen

  • Gewährung des Rechtes der ArbeiterInnen zu streiken

  • Friedliche Fortsetzung der Mindestlohnverhandlungen

  • Die für die Gewalt verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen

Sieben Bekleidungs- und Schuhkonzerne haben sich am 7. Jänner 2014 in einem offenem Brief an die Regierung von Kambodscha gewandt mit der Forderung die Gewalt zu beenden.

Die internationale Gewerkschaftsbewegung IndustriALL hat eine Petition an die kambodschanische Regierung gestartet.

Als Zeichen der Solidarität mit den ArbeiterInnen in Kambodscha finden am Freitag, dem 10. Jänner 2014 in Städten auf der ganzen Welt Veranstaltungen statt. Auch in Linz organisiert der Oberösterreichische Gewerkschaftsbund eine Solidaritätskundgebung. Mehr Informationen finden Sie hier!

Hintergrundinformation:

Factsheet: Existenzlohn Kambodscha
Bericht: Shop til they drop-Magazin 

Jan. 10, 2014, 09:44:54 Heike Hochhauser
Polizei und Militär gehen gewaltsam gegen demonstrierende ArbeiterInnen vor
Polizei und Militär gehen gewaltsam gegen demonstrierende ArbeiterInnen vor
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