Um wirkungsvoll gegen die tödliche Sandstrahltechnik und ihre Folgen vorzugehen, fordert die Clean Clothes Kampagne die Bekleidungsfirmen zu drei Schritten auf:
In den vergangenen sechs Monaten hat die Clean Clothes Kampagne Bekleidungsfirmen zu diesen Schritten aufgefordert und Unternehmen einzeln kontaktiert. Die folgende Darstellung gibt eine Übersicht, ob und in welcher Form Jeansmarken, Modefirmen und Luxuslabels die Sandstrahltechnik bei der Herstellung ihrer Jeansprodukte anwenden:
Schritt 1: Sandstrahlverbot bzw. öffentliche Kommunikation zum Gebrauch der Sandstrahltechnik
Um die Sandstrahltechnik in der globalen Jeansproduktion nachhaltig zu verbieten, bedarf es eines klaren öffentlichen Statements der einzelnen Unternehmen, dass diese Technik nicht mehr erwünscht ist. Als erster Schritt ist es daher wichtig, dass sich eine Firma öffentlich zu einem totalen und nachhaltigen Verbot der Sandstrahltechnik bekennt. Für eine Veränderung der gesamten Branche reicht es nicht, wenn eine Firma intern festlegt, dass sie auf die Technik verzichtet – denn der Verzicht kann auch bedeuten, dass dies nur temporär gilt. Das Verbot hat erst verbindlichen Charakter und kann von KonsumentInnen und ArbeiterInnen in den Fabriken eingefordert werden, wenn es öffentlich kommuniziert wird.
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1a. Verweigert ein Sandstrahlverbot oder gibt keine Auskunft zum Gebrauch der Sandstrahltechnik
Diese Firmen haben bisher keine Auskunft darüber gegeben, ob sie ihre Ware mit der Sandstrahltechnik behandeln bzw. in Zukunft darauf verzichten werden oder verweigern sich bisher die Sandstrahltechnik zu verbieten.
- Dolce & Gabbana
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1b. Teilt mit, dass der Gebrauch der Sandstrahltechnik eingestellt wird, bekennt sich aber nicht öffentlich zu einem Verbot der Technik
Diese Firmen haben der Clean Clothes Kampagne geantwortet, dass ein sofortiger Auftragstopp von sandgestrahlten Produkten erlassen wurde:
- s.Oliver
- Orsay
- Zara
Diese Firmen planen den Ausstieg aus der Sandstrahltechnik und wollen auf eine alternative Methode umstellen:
- Diesel
- Primark
Alle in dieser Rubrik aufgeführten Firmen haben sich bisher nicht öffentlich zu einem totalen Verbot der Sandstrahltechnik bei der Herstellung ihrer Produkte bekannt.
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1c. Sagt, dass die Sandstrahltechnik in ihrer Zulieferkette nicht angewandt wird, stellt sich aber nicht öffentlich hinter ein totales Verbot der Sandstrahltechnik
Diese Firmen sagen, dass die Sandstrahltechnik bei ihren Produkten nicht angewandt wird. Sie geben an, andere Methoden zu verwenden, um die Jeans aufzuhellen. Alle in dieser Rubrik aufgeführten Firmen haben sich bisher nicht öffentlich zu einem totalen Verbot der Sandstrahltechnik bei der Herstellung ihrer Produkte bekannt.
- Joop! (Holy Fashion Group)
- Lee (VF Corporation)
- Prada
- Roberto Cavalli
- Street One
- Tommy Hilfiger (Holy Fashion Group)
- Wrangler (VF Corporation)
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1d. Hat öffentlich ein totales Verbot der Sandstrahltechnik für die eigene Zulieferkette kommuniziert
Diese Firmen haben sich öffentlich zu einem Sandstrahlverbot in ihrer Zulieferkette bekannt:
- Armani
- Benetton
- Burberry
- C&A
- Charles Vögele
- Esprit
- Gucci
- H&M
- Jack&Jones (Bestseller)
- Levi Strauss & CO
- Mango
- Metro
- New Yorker
- Replay
- Vero Moda (Bestseller)
- Versace
Schritt 2: Umsetzung des Sandstrahlverbotes
Ein Verbot der Sandstrahltechnik wirkt erst, wenn auch die Umsetzung des Verbotes sichergestellt ist. Für die Umsetzung muss eine umfassende Strategie entwickelt werden, da die Firmen sonst nicht sicherstellen können, dass die Sandstrahltechnik nicht weiterhin -im Versteckten- in der Zulieferkette angewandt wird. Diese Strategie zur Durchsetzung des Verbotes ist sowohl für Firmen wichtig, die aus der Sandstrahltechnik aussteigen, als auch für Firmen, die angeben, dass sie die Sandstrahltechnik nicht anwenden. Da die Sandstrahltechnik vor allem im informellen Sektor angewandt wird, bedarf es eines besonderen Kontrollmechanismus.
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2a. Gibt keine Information oder widersprüchliche Informationen
Diese Firmen haben weder öffentlich noch gegenüber der Clean Clothes Kampagne kommuniziert, wie sie ein (allenfalls bestehendes) Sandstrahlverbot konkret umsetzen. Diese Übersicht beinhaltet die Firmen, die sich bisher nicht zu einem Sandstrahlverbot bekannt haben.
- Charles Vögele
- Dolce & Gabbana
- Lee (VF Corporation) teilte zuerst mit, dass die Firma per 2012 aus der Sandstrahltechnik aussteigen will, und hat später angegeben, die Sandstrahltechnik komme in der Zuliefererkette nicht vor.
- New Yorker
- Orsay
- Prada
- Replay
- Roberto Cavalli
- The Just Group (Australien)
- Wrangler (VF Corporation) teilte zuerst mit, dass die Firma per 2012 aus der Sandstrahltechnik aussteigen will, und hat später angegeben, die Sandstrahltechnik komme in der Zulieferkette nicht vor.
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2b. Hat einen Ausstieg aus der Sandstrahltechnik angekündet, jedoch nicht per sofort
Bei der Sandstrahltechnik sind die ArbeiterInnen einem sehr hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt – ein rasches Handeln ist daher lebenswichtig. Im Extremfall können die ArbeiterInnen in nur 3 Monaten unheilbar erkranken. Eine lange Ausstiegsphase aus der Sandstrahltechnik bedeutet, dass die Firma wissentlich die ArbeiterInnen tödlichen Risiken aussetzt. Es ist davon auszugehen, dass in ihren Läden weiterhin sandgestrahlte Jeans zu kaufen sind. Die folgenden Firmen haben zwar einen Ausstieg aus der Sandstrahltechnik angekündet, aber nicht per sofort:
- Benetton will per Ende 2011 aussteigen.
- Diesel will ab Frühling/Sommer 2012 keine sandgestrahlten Jeans mehr bestellen.
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2c. Umsetzung des Sandstrahlverbotes wird in den regulären Monitoring-Zyklus integriert
Im Rahmen von Maßnahmen im Bereich Soziale Unternehmensverantwortung/ Corporate Social Responsibility führen diese Firmen regelmäßig Überprüfungen zur Einhaltung der Arbeitsrechte – so genannte Audits - in ihren Fabriken durch. Diese Firmen geben an, dass sie dabei nun auch die Überprüfung des Sandstrahlverbots mit einbeziehen. Die Clean Clothes Kampagne steht Audits als alleinige Kontrollmassnahme kritisch gegenüber, da sie häufig zentrale Fragen nicht aufdecken und meist nur auf der Ebene der direkten Lieferanten durchgeführt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass von Silikose betroffene SandstrahlerInnen durch Standardaudits nicht erfasst werden, ist sehr hoch.
- Armani
- Burberry
- C&A
- Esprit
- H&M
- Jack&Jones (Bestseller)
- Joop! (Holy Fashion Group)
- Levi Strauss & CO
- Mango
- Metro
- Primark
- s.Oliver
- Tommy Hilfiger (Holy Fashion Group)
- Vero Moda (Bestseller)
- Versace
- Zara (Inditex)
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2d Hat eine Umsetzungsstrategie des Sandstrahlverbotes erstellt, die lokale Gewerkschaften und/oder NROs miteinbezieht
Anstelle von Audits als alleinige Kontrollmassnahme fordert die Clean Clothes Kampagne, dass Firmen kontinuierlich mit ortsansässigen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NROs) zusammenarbeiten. Auch um das Sandstrahlverbot wirkungsvoll umzusetzen, braucht es die Zusammenarbeit mit lokalen NROs und Gewerkschaften, sowie mit medizinischen Fachorganisationen.
Die einzige Firma, die bis jetzt in Zusammenarbeit mit lokalen Gewerkschaften eine Untersuchung eingeleitet hat, ist:
- Gucci (Die gesamte Produktion findet in Italien statt.)
Die meisten Firmen geben an, ihre Jeansprodukte in Bangladesch, China, Türkei oder Pakistan zu produzieren. Um effektiv gegen die tödliche Sandstrahltechnik vorzugehen, sollten die Markenfirmen zusammenarbeiten.
Schritt 3: Medizinische Behandlung und Schritt 4: Entschädigung
Aufgrund der sehr hohen Erkrankungsrate ist davon auszugehen, dass weltweit Tausende von SandstrahlerInnen unter gesundheitlichen Folgen zu leiden haben, an Silikose erkrankt oder sogar bereits verstorben sind. Nach Ansicht der Clean Clothes Kampagne tragen die Unternehmen eine Mitverantwortung für die Versorgung dieser ArbeiterInnen. Dabei reicht es nicht aus, beim Zulieferer anzufragen, ob Fälle von Silikose aufgetreten sind. Die meisten SandstrahlerInnen arbeiten bei UnterlieferantInnen, erkennen ihre gesundheitlichen Beschwerden nicht und wissen nicht, dass diese in Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit als SandstrahlerInnen stehen.
Damit die erkrankten ArbeiterInnen erfasst, medizinisch betreut und angemessen entschädigt werden können, müssen alle ArbeiterInnen medizinisch untersucht werden, die in Fabriken gearbeitet haben, in denen sandgestrahlt wurde. Diese Untersuchungen sollten von SpezialistInnen für Berufskrankheiten durchgeführt werden. Ohne solche flächendeckenden medizinischen Untersuchungen kann nicht sichergestellt werden, dass erkrankten ArbeiterInnen die Unterstützung angeboten wird, die sie so dringend benötigen. Es besteht zudem die Gefahr, dass erkrankte ArbeiterInnen ihre Arbeit aufgeben und in ihre Dörfer zurückkehren müssen, um dort zu sterben – ohne dass sie die ihnen zustehende Unterstützung von den verantwortlichen Firmen erhalten haben. Die Einzelheiten, wie erkrankte ArbeiterInnen oder die Hinterbliebenen von Verstorbenen entschädigt werden, müssen von Fall zu Fall entschieden werden.
Online Petition
Fordern wir die Unternehmen auf, Verantwortung zu übernehmen! Denn sandgestrahlte Jeans wurden und werden mit guten Gewinnen verkauft. Die Kosten dafür tragen bis jetzt alleine die SandstrahlerInnen: ihnen wurde die Gesundheit oder gar das Leben geraubt.
Die Presseaussendung zum Thema Sandstrahlen finden Sie hier
Presseaussendungen mit Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen:
20.6.2011
Kampagnenerfolg: New Yorker und Orsay verzichten auf Sandstrahltechnik
06.04.2011
Killer Jeans: noch kein Ende in Sicht
29.11.2010
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