Wenn Bund, Länder und Gemeinden bei ihrem Einkauf die Einhaltung sozialer Mindeststandards fordern, können sie zu besseren Arbeitsbedingungen und zu einer Reduzierung der Armut weltweit beitragen und ein Vorbild für Unternehmen und KonsumentInnen sein. Sozial faire Beschaffung heißt, dass Steuergeld nicht in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse investiert wird.
Weitere Informationen: www.fairebeschaffung.at
Kommentar von Elisabeth Schinzel, Beschaffungsexpertin von Südwind
Wien wird so fair! Regierungsübereinkommen der neuen Stadtregierung
Betritt man das Büro der Wiener Umweltschutzabteilung, die auch das internationale Vorzeigeprojekt „ÖkoKauf Wien“ beherbergt, steht man von vor einem Kaffeeautomat, prall gefüllt mit FAIRTRADE-Heißgetränken. Will man wissen, wo es in der Josefstadt faire Produkte zu kaufen gibt, wirft man einen Blick auf den Bezirksplan „FAIR EINKAUFEN UND GENIESSEN!“ und findet dort rund 40 Betriebe die Produkte mit dem FAIRTRADE Gütesiegel anbieten. Warum? „Der Achte“ ist, sowie Wieden, FAIRTRADE-Bezirk.
Für Wien ist der Gedanke des Fairen Handels und somit der Einsatz für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung von Produzentinnen und Produzenten in den Ländern des Südens kein Novum. Dass im eben veröffentlichten Regierungsübereinkommen der neuen Stadtregierung explizit beschlossen wurde den öffentlichen Einkauf verstärkt sozial fair auszurichten, ist nichtsdestotrotz wegweisend. Wenn eine große Stadt beschließt ihren Einkauf sozial fair zu gestalten, kann sie allein durch ihre große Kaufkraft dazu beitragen Arbeits- und Lebensverhältnisse weltweit zu verbessern und zu einer Reduzierung der Armut beitragen.
Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Vorbildwirkung für Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten. Ein sehr anschauliches Beispiel ist der Fall einer großen Wiener Bäckereikette, deren großes Angebot an Bio-Produkten der Stadt Wien zu verdanken ist. Sie hat die in ihren Ausschreibungen für diverse Betreuungseinrichtungen verstärkt ökologisch produzierten Backwaren nachgefragt, die Anbieter richteten sich danach.
Wo soll es also hingehen? Was machen andere Städte in Europa? In der Stadt Rom werden öffentliche Schulen einmal pro Woche mit 290 000 Bio-FAIRTRADE-Bananen beliefert. Rom ist „FAIRTRADE-Town“, ebenso wie London, Brüssel, San Francisco - und auch Graz gehört seit 30.9.2010 dazu. Was internationalen Großstädten gelingt, sollte doch auch in Wien möglich sein.
Außerdem gilt zu bedenken, dass es jenseits von Kaffee, Tee, Orangensaft und Blumen noch viele andere Produkte gibt, die von der öffentlichen Hand eingekauft werden und die zumindest unter Verdacht stehen unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellt worden zu sein. Wo werden die Herren in Knallorange eingekleidet und wer nähte die Anzüge der Wiener Feuerwehr, was trägt die Ärztin im Krankenhaus, der Gärtner im Stadtpark? Woher kommen die Steine auf Straßen, Plätzen und Fassaden und wer hat sie verarbeitet? Trieb die Herstellung des Computers im Beamtenbüro die Arbeiterinnen am Fließband in China in Verzweiflung?
Diese und weitere Fragen muss sich die Stadt Wien in Zukunft stellen. Die Initiative SO:FAIR sagt: Eine sozial faire Beschaffung ist möglich!
Elisabeth Schinzel ist Leiterin der Schwerpunktarbeit zur sozial fairen Beschaffung bei Südwind. Südwind ist Teil der SO:FAIR Initiative für sozial faire öffentliche Beschaffung. SO:FAIR ist eine Initiative von FAIRTRADE, dem Interuniversitären Forschungszentrum (IFZ), dem Klimabündnis, der Clean Clothes Kampagne, der Prove Unternehmensberatung und Südwind.
Weitere Informationen:
http://www.fairebeschaffung.at
Das Wiener Regierungübereinkommen:
http://www.profil.at/prod/560/pdf/regierungsuebereinkommen_rot-gruen.pdf
Presseaussendungen mit Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen:
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