Tally Weijl gehört zu den größeren Modefirmen mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen erwirtschaftet einen höheren Umsatz als Coop (Bekleidungssegment) oder PKZ und sogar doppelt so viel wie Schild. Bei der letzten Umfrage hat Tally Weijl nicht geantwortet, dieses Mal haben sie den Fragebogen ausgefüllt. Die Firma steckt aber bezüglich sozialer Verantwortung immer noch in den Kinderschuhen und unternimmt, gerade auch angesichts der Größe, viel zu wenig, um die Arbeitsbedingungen in den Herstellungsbetrieben zu verbessern. Auch ist die Transparenz nach wie vor äußerst mangelhaft -- der Verhaltenskodex wurde zwar gegenüber der Clean Clothes Kampagne (CCK) offengelegt, für alle anderen ist er aber nirgends einzusehen. Er ist außerdem nicht in die Sprachen der ArbeiterInnen übersetzt.
Zwischen dem Zeitpunkt der Erhebung und Veröffentlichung dieses Firmenprofils hat Tally Weijl den Verhaltenskodex in einigen Punkten angepasst. So werden zum Beispiel unterdessen alle ILO-Kernkonventionen erwähnt.
Angesichts der Tatsache, dass nahezu 100% der Herstellung in Hochrisikoländern stattfindet, ist es völlig unverständlich, dass Tally Weijl die Einhaltung und Umsetzung des Verhaltenskodex nicht von einer unabhängigen Verifizierungsstelle überprüfen lässt. Die Abstützung auf Audits allein reicht nicht aus, da hierbei viele Verstöße oft gar nicht zu Tage kommen.
Zur Stärkung der Rechte der ArbeiterInnen und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen tragen Gewerkschaften viel bei. Tally Weijl produziert zum Teil in Ländern, in denen die Gewerkschaftsfreiheit stark eingeschränkt ist, wie zum Beispiel China. Hier braucht es spezielle Maßnahmen, um die angemessene Vertretung der ArbeiterInnen dennoch sicherzustellen.
Tally Weijl hat keine Produkte aus Bio- oder Fairtrade-Baumwolle im Sortiment.
Tally Weijl hat den Fragebogen der CCK beantwortet und einige zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist nicht öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Die Firma liefert nicht sehr umfassende Informationen zu den Produktionsländern und der Struktur der Lieferkette. Es existiert kein Sozialbericht. Tally Weijl liefert keine Ergebnisse von Fabrikaudits und es existieren auch keine Reporte mit Ergebnissen einer MSI-Verifizierung.
Das Unternehmen Tally Weijl hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Tally Weijl erklärt nicht, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu, grundlegende Arbeitsstandards zu respektieren, aber es verweist nicht explizit auf die einzelnen ILO Kernarbeitsnormen. Das Unternehmen verpflichtet sich dazu, den ArbeiterInnen einen Lohn zahlen, der den Grundbedarf der ArbeiterInnen und ihrer Familie deckt. Es wird aber nicht spezifiziert, dass sich dieser Lohn auf die Regelarbeitszeit bezieht, und es wird auch nicht darauf verwiesen, dass zusätzlich frei verfügbares Einkommen übrig bleiben soll. Es ist daher kein Existenzlohn. Der Verhaltenskodex der Firma beschränkt die wöchentliche Arbeitszeit auf 60 Stunden (48 Stunden plus 12 Stunden Überzeit). Es ist vereinbart, dass Überstunden nur gelegentlich geleistet und mit dem üblichen Zuschlag abgegolten werden müssen. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf*:
*Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Tally Weijl den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 182, 81, 122, 131, 154, 159, 175, 177, 183 und die ILO-Empfehlungen 35, 90, 111, 146, 164, 168, 184, 190.
Das Unternehmen hat nicht offen gelegt, ob sein Verhaltenskodex in irgendeine Sprache eines Landes übersetzt wurde, aus der es die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen. Es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass das Unternehmen Tally Weijl Trainings zu Arbeitsrechtsfragen organisiert oder fördert. Entsprechend den vorliegenden Informationen beabsichtigt Tally Weijl nicht, die Zahlung eines Existenzlohns für alle ArbeiterInnen in der Zulieferkette zu implementieren. Tally Weijl hat nicht gezeigt, dass es sich der Tatsache bewusst ist, dass ein Teil der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen liegt, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Dem Unternehmen gelingt es nicht, die negativen Auswirkungen seiner eigenen Beschaffungspolitik auf Arbeitsbedingungen genügend umfassend zu berücksichtigen. Es existieren keine Vorschriften, um den Einkäufern positive Anreize zu geben, damit sie bessere Arbeitsbedingungen in den Fabriken berücksichtigen und Aufträge bevorzugt an diese Produktionsstätten geben. Es existieren keine Maßnahmen, die zeigen wie die Planung verbessert werden kann, damit exzessive Überstunden vermieden werden.
Das Unternehmen ist nicht Mitglied einer Business-Monitoringinitiative. Die CCK hat keine Resultate der Monitoring Aktivitäten des Unternehmens. Tally Weijl lieferte keine Informationen darüber, mit welchen korrektiven Schritten Arbeitsrechtsverletzungen behoben werden. Das Unternehmen ist nicht in eine unabhängige Verifizierung durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz involviert.
Fortgeschritten
Durchschnittlich
Einsteiger
Nachlässig
Verweigerer
↑ Aufwärtstrend - Fair Wear Foundation Beitritt
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