Firmen Check

[Druckansicht]

Firmenprofil: Salewa

Unternehmensdaten

Bozen
Italien
1935
ca. 500
OberAlp AG Heiner Oberrauch
EUR 175 Mio.
N/A
Bangladesch, China, Volksrepublik, Deutschland, Griechenland, Indonesien, Italien, Litauen, Myanmar (Burma), Österreich, Türkei, Vietnam
Produkte: Bekleidung (47% des Umsatzes), Schuhe (11% des Umsatzes), Taschen (5% des Umsatzes), Schlafsäcke, (1,5% des Umsatzes)

Kommentar der CCK

Die nachfolgende Beurteilung der Unternehmenspolitik hinsichtlich Transparenz sowie der Implementierung und dem Monitoring von Arbeitsrechtsnormen basiert auf den Antworten des Unternehmens auf den Fragebogen der CCK und auf einer zusätzlichen Recherche von Dokumenten, durchgeführt von der CCK.

 

Der südtiroler Bergsportausstatter Salewa ist im Besitz der Familie Oberrauch und existiert seit 1935. Das Unternehmen hat sich im Vergleich zu der Clean Clothes-Befragung 2010 von seiner transparenten Seite gezeigt. So können nun auch interessierte KonsumentInnen den Verhaltenskodex des Unternehmens auf der Website einsehen. Wie bereits 2010 kritisiert, weist der Verhaltenskodex noch immer einige Lücken auf. Dennoch hat sich das Unternehmen für die nächsten Jahre vorgenommen die sozialen Standards zu überarbeiten und an dem Thema „existenzsichernder Lohn“ zu arbeiten.

Aus Sicht der CCC müssen die Umsetzungsstrategien von sozialen Standards in den Zulieferbetrieben verbessert werden. Nach Auskunft des Unternehmens wurde dahingehend eine firmeninterne Arbeitsgruppe eingerichtet, um gemeinsam mit den Verantwortlichen der unterschiedlichen Abteilungen das Thema soziale Verantwortung in die Arbeitsprozesse besser zu integrieren.

Das Unternehmen setzt bis dato auf interne Kontrollen der Zulieferbetriebe. Salewa hat zwar den Monitoring-Prozess nach eigenen Angaben verfeinert und das Berichtsformat überarbeitet, um eine bessere Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit der Auditierungsaktivitäten zu ermöglichen, dennoch bleiben die Ergebnisse dieser Überprüfungen intern. Diese Kritik kann zurückgezogen werden, wenn Salewa wie angekündigt der Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation (FWF) beitritt und damit einen kompetenten Partner für die Umsetzung und Überprüfung von sozialen Standards zur Seite hat.

Transparenz

 Salewa hat den Fragebogen der CCK beantwortet und zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Der Verhaltenskodex der Firma ist öffentlich zugänglich im Internet, in Verkaufsläden oder durch andere Informationskanäle. Salewa gibt Informationen zur Struktur der Zulieferkette und den Produktionsländern. Ein Sozialbericht ist öffentlich zugänglich. Salewa liefert keine Ergebnisse von Fabrikaudits und es existieren auch keine Reports mit Ergebnissen einer MSI-Verifizierung.

Verhaltenskodex

Das Unternehmen Salewa hat einen Verhaltenskodex verabschiedet. Der Verhaltenskodex weist darauf hin, dass dort, wo lokale und internationale Arbeitsstandards variieren, der höhere Standard gelten soll. Salewa erklärt, dass die Firma für die Umsetzung des Verhaltenskodex in der gesamten Lieferkette (inkl. Unterlieferanten) verantwortlich ist. Der Kodex beinhaltet aber keine Maßnahmen, um diesen in den Arbeitsstätten zu implementieren, und die Einhaltung zu überprüfen. Das Unternehmen verpflichtet sich formell dazu, grundlegende Arbeitsstandards zu respektieren, aber es verweist nicht explizit auf die einzelnen ILO Kernarbeitsnormen. Das Unternehmen verpflichtet sich nur dazu, den gesetzlichen Mindestlohn oder Standard-Industrielohn zu zahlen, d.h. keinen Existenzlohn. Der Verhaltenskodex der Firma beschränkt die wöchentliche Arbeitszeit auf 60 Stunden (48 Stunden plus 12 Stunden Überzeit), erlaubt jedoch in Ausnahmefällen eine höhere Stundenzahl pro Woche. Der Verhaltenskodex verlangt eine sichere und hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung in den Zulieferfabriken. Das Unternehmen verlangt nicht explizit, dass alle ArbeiterInnen einen Arbeitsvertrag erhalten. Über die oben erwähnten Arbeitsstandards hinaus ist der Verhaltenskodex in einzelnen Punkten nicht hinreichend genau. Er enthält keine Verpflichtung im Hinblick auf*:

- Bestimmungen über vorübergehende Maßnahmen im Interesse der Kinder und ihrer Familien, wenn Kinderarbeit vorgefunden wird

- Sonderbestimmungen für ArbeiterInnen unter 18 Jahren (z.B. Ausbildung, keine Nachtarbeit)

 - spezifische Schritte, um vernünftige Arbeitsbedingungen in solchen Ländern zu fördern, in denen nationale Gesetze das Vereinigungsrecht und die Rechte zu Kollektivverhandlungen einschränken

 - das Verbot des Arbeitgebers, Kautionen einzufordern oder Personalausweise zurückzubehalten

 - die Garantie eines Existenzlohnes für einen regulären Arbeitstag ohne Überstunden

 - den expliziten Hinweis auf die ILO-Kernkonvention 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit

* Um mit den jüngsten Entwicklungen der international anerkannten Arbeitsrechtsnormen mitzuhalten (siehe Kodex unter: www.jo-in.org), müsste Salewa den Firmenkodex bezüglich der folgenden Normen aktualisieren (und die folgenden ILO-Konventionen explizit anerkennen): 138,  182,  87,  98,  135,  100, 111,  29,  105,  1,  81,  122,  131,  154,  155,  159,  175,  177,  183, und die ILO Empfehlungen: 143,  35,  90, 111,  146,  164,  168,  184,  190 ).

Kodexumsetzung

Der Verhaltenskodex ist in alle Hauptsprachen der Länder übersetzt, aus denen das Unternehmen die Waren bezieht. Jeder Kaufvertrag legt die Verpflichtung des Zulieferers fest, den Kodex bei sich und seinen Unterlieferanten umzusetzen.  Es gibt keine glaubwürdigen Beweise dafür, dass das Unternehmen Salewa Trainings zu Arbeitsrechtsfragen organisiert oder fördert. Salewa hat nicht gezeigt, dass es sich der Tatsache bewusst ist, dass ein Teil der Produktionsstandorte in Ländern oder Zonen liegt, in denen Vereinigungsfreiheit gesetzlich nicht garantiert wird. Salewa berücksichtigt zu einem gewissen Grade, dass die eigene Beschaffungspolitik Auswirkungen auf die Zulieferer hat. Das Unternehmen hat einige Prozeduren etabliert, welche den Zulieferern zeigen, wie Planung verbessert und damit übermäßige Überstunden vermieden werden können.

Monitoring und Verifizierung

 Das Unternehmen ist nicht Mitglied einer Business-Monitoringinitiative. Die CCK hat keine Resultate der Monitoring Aktivitäten des Unternehmens. Salewa reagiert auf Verstöße gegen den Verhaltenskodex mit einem Korrekturmaßnahmenplan. Das Unternehmen ist nicht in eine unabhängige Verifizierung durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz involviert.