Der Verhaltenskodex von Haglöfs ist in den Schlüsselbereichen wie der Bezahlung eines Existenzlohns und dem Verweis auf die relevanten ILO-Kernarbeitsnormen sehr ungenau formuliert. Das strategische Vorgehen und die Verankerung des ethischen Anspruchs in der Beschaffungspraxis der Produkte, besonders die Stärkung der Rechte der Beschäftigten und die Möglichkeit der ArbeiterInnen, in den Zulieferbetrieben diese Rechte wahrzunehmen, könnten wirkungsorientierter sein. Der Bezug zu den internationalen Arbeitsnormen der ILO und deren Kommunikation geben eine klare Zielsetzung vor. Die bestehende Kontinuität der Geschäftsbeziehungen (länger als fünf Jahre) zu 60% der Lieferanten ist eine gute Basis zur Implementierung der von der CCK als wesentlich angesehenen Sozial- und Arbeitsrechtsstandards. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen wäre gerade aufgrund der Kenntnis und Erfahrung in den Märkten mittels eines Multi-Stakeholder-Ansatzes und unter Einbeziehung der Beschäftigten in den Zulieferbetrieben zielführender voranzutreiben.
Die Direktion für Nachhaltigkeit des Unternehmens hat den Fragebogen der CCK ausführlich beantwortet und viele zusätzliche Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent hinsichtlich Umsatz, Unternehmensgewinn und -struktur sowie Produktionsländern. Ein Teil der Dokumente belegt die CSR-Implementierungsmaßnahmen. Der englischsprachige Verhaltenskodex ist auf der Unternehmenswebseite öffentlich zugänglich. Es existiert ein Jahresbericht, der einen Themenbereich Nachhaltigkeit beinhaltet und auch auf der Unternehmenswebseite zu finden ist.
Zusätzlich zum Verhaltenskodex (Code of Conduct, CoC) wendet das Unternehmen bei seinen Produktionspartnern eine CoC-Assessment-Checkliste, einen sogenannten Corrective Action Plan sowie Nachhaltigkeitsrichtlinien an. Der Verhaltenskodex verweist nicht auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Der Kodex des Unternehmens verlangt, dass alle relevanten lokalen Arbeitsgesetze eingehalten werden, jedoch dort, wo lokal schlechtere Standards bestehen, wird nicht dem höheren internationalen Arbeitsstandard Geltung verschafft. Außerdem wird ausschließlich im Abschnitt über Kinderarbeit auf international geltende Standards (UN-Konvention) Bezug genommen. In den folgenden Abschnitten zu Arbeitnehmerrechten, Löhnen und Arbeitszeit sowie Sicherheit wird nicht auf die ILO-Kernarbeitsnormen als Referenz verwiesen. Diese Normen beinhalten klare Regelungen bezüglich Organisationsfreiheit und des Rechtes auf Kollektivverhandlungen, verbieten Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung. Im Kernbereich „Verdienst bei der Fertigung“ verweist das Unternehmen auf den gesetzlichen Mindestlohn. Die Zahlung des Minimums soll regelmäßig, fair und respektive der Arbeitsplatzleistung sein, ist jedoch keine Empfehlung. Die Zahlung eines Existenzlohns wird nicht gefordert. Die Wochenarbeitszeit sollte, wo keine Obergrenze festgelegt ist, nicht 60 Stunden überschreiten. Zu den beiden Themen findet ein Austausch mit der Fair Wear Foundation (FWF) statt.
Das Unternehmen führt soziale Audits bei den Zulieferern selbst durch (nach eigenen Angaben wird jeder Zulieferer mindestens einmal jährlich besucht) und beauftragt das externe Auditunternehmen SGS für weitere sogenannte Third-party-Audits (Haglöfs gibt an, dass 25% der Zulieferer durch SGS auditiert werden). Zur Umsetzung des Verhaltenskodexes wird nach jedem Audit ein sogenannter Corrective Action Plan erstellt, der nach fünf Monaten kontrolliert wird. Die Einkaufsabteilung diskutiert in diesem Zusammenhang beim jährlichen Besuch CSR-Themen. Um dem Kernproblem der extremen Überstunden besonders während des Produktionshochs gegenzusteuern, wird eine Kapazitätsplanung mit dem Management der Zulieferer durchgeführt. Im Unternehmen ist der Direktor für Nachhaltigkeit der Geschäftsführung beigeordnet. In der Unternehmensphilosophie werden Nachhaltigkeit und CSR als ein integrierter Ansatz in der Unternehmenspolitik verstanden, sodass nach Eigenaussagen die Produktabteilung die ethischen Richtlinien berücksichtigen muss. Zur besseren Verankerung im Unternehmen wurden zwei halbjährige firmeninterne Sustainability-Programme aufgelegt. Trainings- oder Dialogprogramme für die Zulieferer oder deren Beschäftigte bestehen nicht. Der Verhaltenskodex ist für alle Direktlieferanten und Produktionsstätten vertraglich bindend.
Haglöfs ist derzeit kein Mitglied einer Multi-Stakeholder-Initiative, prüft jedoch die Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation.
Fortgeschritten
Durchschnittlich
Einsteiger
Nachlässig
Verweigerer
↑ Aufwärtstrend - Fair Wear Foundation Beitritt
Hintergrundinformationen zum Firmen-Check
Bericht über Outdoor-Unternehmen zum Download
Bericht über Snow-, Skate- und Surf-Unternehmen zum Download